Der Keratokonus

Eine seltene Hornhauterkrankung

Contactlinsen-Institut zu Lübeck e.K.

Bredcrumb NavXT

Der Keratokonus

Erscheinungsform und Maßnahmen bei einer seltenen Hornhauterkrankung

Übersicht zu Erscheinungsform und Folgen des Keratokonus

Was ist Keratokonus

Keratokonus ist eine seltene Erkrankung der Hornhaut (Cornea).

  • Diese verdünnt sich im Verlauf der Augenerkrankung und wölbt sich verstärkt kegelförmig nach vorne heraus.
  • Dies geschieht unterschiedlich stark und schnell über Monate oder Jahre hinweg.
  • Oft kommt der Keratokonus irgendwann zum Stillstand.
Korrektionsprinzip
Korrektionsprinzip
Hornhaut mit kegelförmiger Vorwölbung bei fortgeschrittenen Keratokonus
Hornhaut mit kegelförmiger Vorwölbung bei fortgeschrittenen Keratokonus

Vorkommen

Der Keratokonus kommt in der gesamten Weltbevölkerung vor.

  • Das Vorkommen liegt bei einer von 2000 Personen, wobei starke regionale Schwankungen zu beobachten sind.
  • Zumeist tritt er in oder nach der Pubertät bis in das Alter von 30 Jahren auf.
  • Je früher dieser auftritt, desto stärker fortschreitend ist der Verlauf.

Folgen und Behandlung

  • Grundlegend ist das Auge voll funktionstüchtig.
  • Der Keratokonus führt nicht zur Erblindung, jedoch gibt es je nach Ausprägung mehr oder weniger starke visuelle Einschränkungen.
  • Bei 90% aller Betroffenen reicht eine Sehwertekorrektur mit einer Brille oder speziellen Kontaktlinse aus.

Bei schwereren Fällen des Keratokonus, wenn es auf Grund hoher Dehnung zentral zu starken Unregelmäßigkeiten, großflächigen Trübungsstellen in der Hornhaut oder einer zu hohen Verdünnung kommt, kann ein Transplantat in Erwägung gezogen werden.

Dies wird eine betroffene Person immer in Absprache mit dem behandelnden Augenarzt entscheiden.

Verdünnte Hornhaut bei fortgeschrittenen Keratokonus

Ursachen des Keratokonus

Die Ursachen für einen Keratokonus sind noch nicht vollständig geklärt.

  • Es wird eine genetische Veranlagung vermutet. Die Krankheit hat häufig eine familiäre Vorgeschichte. Die Wissenschaft nimmt eine gestörte Enzym-Aktivität in der Hornhaut an. Dadurch verändert sich die Stabilität des Stromas, dem Kern der Hornhaut.
  • Zudem wird eine Störung der endokrinen Drüsen vermutet. Typische Begleiterkrankungen, welche häufig im Zusammenhang mit dem Keratokonus auftreten sind Hautprobleme, wie Neurodermitis, Allergien, Rheuma oder Asthma.
  • Auch mit Bindegewebskrankheiten oder -störungen, wie dem Marfan-Syndrom oder Ehlers-Danlos-Syndrom, wird ein Keratokonus in Zusammenhang gebracht.

Wie wird ein Keratokonus wahrgenommen

Typisch für einen Keratokonus sind im Anfangsstadium zunehmende Sehstärken, vor allem ein starker Anstieg der Hornhautverkrümmung (Astigmatismus) mit wechselnden Achslagen.
Dies macht eine häufige Neukorrektur der Brillengläser in kurzen Abständen nötig.

Außerdem sehen Gegenstände trotz Brillenkorrektur noch verzerrt aus oder es erscheinen Doppelkonturen.

Häufig wird auch eine zunehmende Blendempfindlichkeit wahrgenommen. Lichtquellen haben sternförmige Strahlen oder Heiligenscheine (Halos).

Irgendwann wird trotz Nachkorrektur der Brille eine geringere Sehleistung (Visus) erreicht.

Korrekturmöglichkeit der Fehlsichtigkeit

Brille

Solange eine Brille die entstehende Fehlsichtigkeit zufriedenstellend und gut korrigiert, ist dies aus fachlicher Sicht die erste Wahl. Wir nehmen dadurch am wenigsten Einfluss auf die Hornhaut.

 

 

Kontaktlinsen

Sollte keine zufriedenstellende Sehleistung mehr erreicht werden oder im Alltag werden höhere Sehleistungen erforderlich, kommen Kontaktlinsen in Frage.

  • Diese sind speziell geformte formstabile Kontaktlinsen, welche der Kontur der Hornhaut ideal angepasst werden.
  • Die Tränenflüssigkeit zwischen Hornhaut und Kontaktlinse gleicht Unregelmäßigkeiten aus.
  • Mit ihrer Vorderfläche kann wieder eine glatte kugelförmige Abbildungsfläche erzeugt werden.

 

Vorteile von Kontaktlinsen

Kontaktlinsen sind keine Therapie gegen den Keratokonus. Es wird lediglich die Fehlsichtigkeit des Auges korrigiert. Sie bieten aber eine spürbare Verbesserung:

  • Die Abbildung des Auges wird optimiert.
  • Bei höheren Graden des Keratokonus werden dadurch stärkere Sehleistungssteigerungen gegenüber einer Brille erreicht.
Brillenregal
Kontaktlinse
Angepasste Kontaktlinse bei Keratokonus

Therapeutische Maßnahmen

Crosslinking

Nutzen des Crosslinking-Verfahrens

  • Bei diesem Verfahren wird durch photooxidative Quervernetzung das Kollagen der oberen Hälfte der Hornhaut stärker vernetzt.
  • Die Hornhautstabilität und die Steifigkeit werden gesteigert.
  • Der Zustand des Keratokonus wird sozusagen eingefroren und die vorhandene Sehleistung dadurch erhalten.

 

Anwendung von Crosslinking

  • Junge Leute bis ins Alter von 30 Jahren sind für diese Methode gut geeignet, da deren eigene Vernetzung der Hornhaut noch nicht so weit fortgeschritten ist.
  • Ebenso sollte die Verdünnung der Hornhaut noch nicht zu extrem sein.
  • Ist der Keratokonus seit Jahren zum Stillstand gekommen, braucht diese Methode auch nicht angewandt werden.

Ablauf des Crosslinking-Verfahrens

Bei dem operativen Eingriff wird das Epithel entfernt, Riboflavin (Vitamin B2) auf die aufgeraute Fläche getropft und mit UV-Licht bestrahlt. Die Quervernetzung der Kollagenfasern wird aktiviert.

  • Nach der Behandlung können die ersten Monate ein Nebelsehen (Haze) und eine erhöhte Lichtempfindlichkeit (Photophobie) auftreten.
  • Nach einem Monat können Kontaktlinsen wieder getragen werden.
  • Oft passen noch die vorherigen Kontaktlinsen. Die Passform sollte jedoch unbedingt vor dem Tragen professionell geprüft werden.

Intra-Corneale-Ring-Segmente (ICRS)

Wirkungsweise von ICRS

Intra-Corneale-Ring-Segmente werden auch als Intacs bezeichnet.

  • Diese im Querschnitt sechseckigen Ringsegmente werden aus durchsichtigem Kunststoff gefertigt.
  • Sie werden in einen vom Laser präparierten Tunnel in die mittlere Schicht der Hornhaut geschoben.
  • Dort bauen sie eine gewisse Spannung auf, um die zentrale Hornhaut zu glätten.
  • Dadurch sollen die Unregelmäßigkeiten der Hornhaut verringert werden und auf Dauer stabilisiert werden.

Vorteile von ICRS

  • Durch die Glättung der Hornhaut kommt es zu Sehleistungssteigerungen bis hin zu mehreren Sehleistungsstufen.
  • Oft werden im Nachhinein weiterhin Kontaktlinsen benötigt.
  • Die alten Kontaktlinsen können nicht mehr getragen werden.
    Diese müssen gesondert auf die neu entstandene Hornhautgeometrie angepasst werden.
Hornhaut mit intracornealen Ringen

Keratoplastik (Hornhauttransplantat)

Die Keratoplastik ist ein Hornhauttransplantat. Dabei wird die Hornhaut komplett oder teilweise durch eine Spenderhornhaut ersetzt.

Diese Methode kommt beim weit fortgeschrittenen Keratokonus zum Einsatz, bei dem es zu starken Vernarbungen oder zu sehr geringen Sehleistungen (Visus < 0,3) trotz Korrektur mit Kontaktlinse kommt.

Auch wenn die Kontaktlinse einfach nicht mehr gesund sitzen kann oder bei zu dünnen Hornhäuten wird eine Keratoplastik bevorzugt.

Welche Linse aus diesen unzähligen Möglichkeiten am besten zu Ihnen und ihren Gewohnheiten passt, ermitteln wir gern für Sie in einem ersten kostenfreien Beratungstermin.